Schiefbahn

Der Name Schiefbahn in der Schreibweise "Schyffbaen" wird erstmals um 1430 als Flurname in dem Siedlungsgebiet Unterbroich genannt, der sich am Rande einer sumpfigen Niederung auf dem Uferstreifen eines alten Rheinarmes von Kaarst bis Oedt erstreckte. Nach 1500 wurde dieser Name zum Ortsnamen und verdrängte die Bezeichnung Unterbroich, die aber als Honschaftsbezeichnung erhalten blieb. Um 1520 ist Schiefbahn ein aus dem Gemeinwesen Unterbroich ausgeschiedener Verwaltungsbezirk des Amtes Liedberg, das zum Kurfürstentum Köln gehörte. Der Ortsname bedeutet Scheibenstand und weist auf einen Scheibenschießstand hin.

 

In dem das Ortsgebiet ausmachenden Teil des alten Unterbroiches sind Spuren von Menschen in der jüngeren Steinzeit, 3000 bis 2000 vor Christus, und in der Eisenzeit, 800 bis 200 vor Christus, durch Funde nachgewiesen, ferner einzelne Siedlungen für das 1. und 2. Jahrhundert in der römischen Zeit.

 

Mit der ersten Erwähnung des Ortsnamens um 1430 beginnt die Entstehung eines dörflichen Siedlungskernes um eine dem hl. Hubertus geweihte Kapelle und einem Wirtschaftshof. 1548 erfolgt die Erhebung zur selbständigen Pfarre. Die Lage an der bedeutsamen Strasse, auf der nach 1692 zeitweise eine Personenpost verkehrte, begünstigte die Entwicklung des Ortes.

 

Der größte Teil der Einwohner lebte bis 1900 von der Landwirtschaft und aus dem gemeindeeigenen Bruch, das viele Nutzungsmöglichkeiten und vor allem eine gute Futtergrundlage für alles Vieh bot. Besondere Bedeutung hatte die Gänsezucht. Gänsehüter war meist ein Junge, er ist zum Orstsymbol geworden. Der Flachsanbau ließ die Leineweberei im Nebenerwerb entstehen.

 

1658 zählte die Gemeinde 800 Einwohner, 1763 rund 1.250 und 1798 betrug die Einwohnerzahl rund 1.500.

 

Im 19. Jahrhundert erhöhte sich die Einwohnerzahl beträchtlich bei intensiver Bruchwirtschaft und Ausweitung der damals konjunkturanfälligen Samt- und Seidenindustrie in der Form der Hausweberei. 1855 waren 287 Webstühle für Seide und 228 für Samt vorhanden. Die Webindustrie wurde in Schiefbahn um 1900 der Haupterwerbszweig. Schiefbahn wurde zum Ballungsrandgebiet der umliegenden Stadtlandschaft. Diese Entwicklung sprengte, wie mancherorts, jeden Rahmen. Die Bevölkerungszahl erreichte am 1. September 1969 die Zahl 10.041.